Rudolf Diesel war ein vorausschauender Mann. Schon 1893 unternahm er auf unserem Augsburger Werksgelände Versuche an seinem später nach ihm benannten Dieselmotor, betrieben mit reinem Erdnussöl. Doch erst gut 100 Jahre später sollten Biokraftstoffe für den Einsatz in Dieselaggregaten bei MAN Diesel & Turbo wieder eine Rolle spielen. Die MAN Diesel & Turbo-Ingenieure erkannten im Jahr 1994 die Zeichen der Zeit und begannen damit, moderne Großdieselmotoren zu Versuchszwecken mit Pflanzenöl, Altfett und Talg aus der Tierkörperverwertung zu betreiben. Inzwischen erzeugen viele eigens auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Biokraftstoffe optimierte Anlagen erfolgreich Elektrizität und Wärme – unter anderem aus Raps-, Sojabohnen- und Palmöl. Auch altes Fritierfett oder tierische Fette werden von unseren Kunden eingesetzt.
Unsere Dieselmotoren, die primär auf den zwar günstigen, in Hinblick auf die technische Belastbarkeit des Motors jedoch sehr anspruchsvollen Kraftstoff Schweröl ausgelegt sind, können mit geringfügigen Modifikationen auch mit Biokraftstoffen betrieben werden. Vor allem die Einspritzkomponenten bedürfen dann allerdings einer Anpassung: Fettsäuren können sich negativ auf die Lebenszeit der Einspritzsysteme und der Ölpumpen auswirken – eine Tatsache, die unsere Spezialisten bei der Materialauswahl für diese Komponenten berücksichtigen. Außerdem ändern sich durch den höheren Sauerstoffgehalt der Bioöle die Verbrennungstemperaturen im Zylinder. Ein bis zu 30 Prozent größerer Stickoxid-Anteil im Abgas ist die Folge. Doch dieser Nachteil lässt sich mit einem SCR-System auffangen. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass der geringere Brennwert des Biokraftstoffs die Leistung des Motors im Vergleich zum Schwerölbetrieb um etwa fünf Prozent senkt. Klare Vorteile sind die schwefelfreien Abgase sowie die wesentlich geringere Partikelemission.
Aus ethischen Gründen sollten für die thermische und elektrische Energiegewinnung nur nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen, die nicht in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Jatropha, Afrikanische Palme und spezielle Algen stehen derzeit im Fokus von Forschung und Entwicklung. In Hinblick auf den Klimawandel gilt es zudem die Gesamt-CO2-Bilanz der Biokraftstoffe zu berücksichtigen. Diese muss nicht für jeden Biokraftstoff zwingend besser ausfallen als beispielsweise eine saubere Verbrennung von Erdgas.