BIOCLEAN ist ein von der deutschen Regierung gefördertes, überwiegend technologisch orientiertes Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das sich mit den unterschiedlichen Emissionen von großen Viertaktmotoren im Betrieb mit fossilen und regenerativen Kraftstoffen befasst. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Gesamtbilanz der Emissionen von klimarelevanten Gasen (Kohlendioxid, Stickoxide, Schwefeldioxid) und Partikeln. In diesem Zusammenhang wird der gesamte Treibstoff-Zyklus von der Produktion bis zum Verbrauch berücksichtigt. Die Motoren können sowohl in Schiffen als auch in Kraftwerken zum Einsatz kommen.
Die Motorenversuche erfolgten zwischen Juli 2007 und Juni 2008 an einem Einzylinder-Versuchsmotor vom Typ 32/40 bei MAN Diesel & Turbo in Augsburg und an einem Vollmotor von MAN Diesel & Turbo, der in einer Altfett-Verbrennungsanlage im österreichischen Fritzens in Betrieb ist. In Dauerversuchen wurden folgende regenerative Treibstoffe untersucht:
• Palmöl
• Sojaöl
• Rapsöl
• Sonnenblumenöl
• Altfett
Als fossiler Referenztreibstoff wurde Schweröl verwendet. Um zu einer Gesamtklimabewertung der Treibstoffe zu gelangen, wird ein Klima-Response-Modell eingesetzt und der Strahlungsantrieb für die Treibhausgase Ozon, Methan und CO2 sowie für Partikel- und SO2-Emissionen berechnet. Vor allem im Bezug auf die Produktion biogener Treibstoffe müssen diverse Parameter berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Landnutzung, Anbau, Verarbeitung und Transport von Biomasse sowie Einsatz fossiler Energien und Vorketten wie Düngerherstellung.
Die BIOCLEAN-Studien am Testmotor zeigen, dass die untersuchten Biotreibstoffe grundsätzlich zur effizienten Verbrennung in Diesel-Großmotoren geeignet sind. Der Ausstoß schwefelhaltiger Emissionen ist im Vergleich zu Schweröl vernachlässigbar. Die Emissionen an Stickoxiden weichen nicht wesentlich von fossilen Treibstoffen ab. Die Frage, ob der Einsatz dieser Treibstoffe zur Reduktion des CO2-Ausstoßes und damit zu einer Reduktion der Klimawirkung von Schiffsemissionen führen wird, lässt sich noch nicht final beantworten. Zwar wird das bei der Verbrennung von Biotreibstoffen freigesetzte CO2 der Atmosphäre in der Wachstumsphase der Pflanze entzogen. Die Annahme der daraus resultierenden CO2-Neutralität wird jedoch durch die Berücksichtigung der Treibhausgas-Bilanz bei der Produktion von Biokraftstoffen in Frage gestellt.
Eine abschließende Bewertung für den sinnvollen Einsatz von Biotreibstoffen in Schifffahrt und bei der Enegieerzeugung ist erst nach der Zusammenführung aller Faktoren in einem Klima-Response-Modell möglich.